Voraussetzungen der Drittschadensliquidation
BGH, Urteil vom 14. Januar 2016 - VII
ZR 271/14
Fundstelle:
NJW 2016, 1089
JuS 2016, 462 (Riehm)
Amtl. Leitsatz:
Zur Drittschadensliquidation
bei der Inanspruchnahme eines Architekten für Kosten der Sanierung von
Mängeln eines Industriehallenfußbodens, die auf von dem Architekten
schuldhaft verursachte Mängel des Architektenwerks zurückzuführen sind, wenn
die Sanierungskosten nicht von dem Auftraggeber des Architekten und
Halleneigentümer, sondern von einem mit dem Auftraggeber vertraglich
verbundenen Pächter entsprechend den Regelungen des Pachtvertrags getragen
worden sind.
Zentrale Probleme:
Ein schöner Fall zur Drittschadensliquidation: Der vom
Kläger beauftragte Architekt macht einen Planungsfehler, aufgrund dessen ein
Folgeschaden am Gebäude des Klägers auftritt. Diesen muss aber aufgrund
einer vertraglichen Vereinbarung der Pächter auf eigene Kosten beseitigen,
was auch geschehen ist. Hier hat der Kläger zwar einen Anspruch (nach
"neuem" Recht aus §§ 634 Nr. 3, 280 I BGB), aber keinen Schaden, der Pächter
keinen Anspruch (weil nicht Vertragspartei des Werkvertrags und weil auch
keine deliktische Schädigung eines seiner Rechtsgüter vorliegt). Diese Schadensverlagerung ist aus
der Sicht des Schädigers (des Architekten) zufällig, weil er ebensogut beim
Kläger hätte eintreten können (darin liegt der entscheidende Unterschied zum
Vertrag mit Schutzwirkung für Dritte, s. die Anm. zu
BGHZ 181,12 m.w.N. sowie BGHZ 133, 36). Der
Kläger muss dann den erhaltenen Betrag an den geschädigten Dritten abführen
(in diesem Fall aus einer aus § 242 herzuleitenden Nebenpflicht aus dem
Pachtvertrag). Das aber geht den Beklagten grundsätzlich nichts an (s. bei
Rn. 32).
©sl 2016
Tatbestand:
1 Die Klägerin verlangt von der
Beklagten, der Rechtsnachfolgerin (Witwe und Alleinerbin) des vor
Klageerhebung verstorbenen Architekten N., Ersatz von durch die Sanierung
eines Industriehallenfußbodens entstandenen Kosten mit der Begründung, die
Beklagte hafte hierfür als Folge eines mangelhaften Architektenwerks des
Architekten N.
2 Die Klägerin ist Eigentümerin einer Halle in L., die sie an die A. GmbH &
Co. KG verpachtet hat; in dieser Halle verarbeitet die A. GmbH & Co. KG
Geflügelfleisch. § 5 des am 5. September 1991 geschlossenen Pachtvertrags
lautet wie folgt:
3 "Ein- und Umbauten, Instandhaltungen
Die Pächterin ist berechtigt, das
Pachtobjekt mit Einbauten und Einrichtungen zu versehen, die sie zusätzlich
für erforderlich hält. Dazu darf sie auf ihre Kosten auch Veränderungen des
Gebäudes vornehmen. Ein Anspruch der Pächterin bei Pachtende auf Ersatz des
Zeitwertes baulicher Veränderungen besteht nicht.
Die Pächterin hat alle während der Pachtzeit erforderlichen Ausbesserungen
und Erneuerungen rechtzeitig und ordnungsgemäß auszuführen und zu zahlen."
4 In den Jahren 2000 und 2001 erweiterte die Klägerin die
genannte Halle, damit Platz für zwei weitere Produktionslinien (die Linien 4
und 5) neben den drei bereits vorhandenen Produktionslinien entstehe.
5 Mit Architektenleistungen für dieses Bauvorhaben beauftragte die
Klägerin mündlich den Architekten N. Mit den Bauhauptarbeiten am
Erweiterungsbau wurde die Nebenintervenientin zu 2 der Beklagten beauftragt.
Mit der Erstellung des Hallenfußbodens wurde die Nebenintervenientin zu 1
der Beklagten beauftragt.
6 Ab Ende 2000 kam es zu Schriftverkehr zwischen dem Architekten N. und der
Nebenintervenientin zu 1 der Beklagten, in dem Schäden an dem Hallenfußboden
im Bereich der Produktionslinien 4 und 5 thematisiert wurden.
7 In der Zeit vom 24. Mai 2006 bis zum 5. Juni 2006 ließ die A. GmbH & Co.
KG den Hallenfußboden im Bereich der Produktionslinien 4 und 5 sanieren,
wobei der Umfang der Sanierungsarbeiten und deren Erforderlichkeit zwischen
den Parteien streitig sind. Sämtliche mit der Sanierung
zusammenhängenden Arbeiten wurden von der A. GmbH & Co. KG in Auftrag
gegeben, ihr in Rechnung gestellt und von ihr beglichen.
8 Mit der Klage begehrt die Klägerin Ersatz der nach ihrem Vorbringen zur
Sanierung erforderlich gewesenen, von der A. GmbH & Co. KG getragenen Kosten
in Höhe von insgesamt 840.758,81 €.
9 Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die Berufung der Klägerin ist
erfolglos geblieben.
10 Mit der vom Senat zugelassenen Revision verfolgt die Klägerin ihre
zuletzt gestellten Anträge weiter. Die Beklagte beantragt, die Revision
zurückzuweisen.
Entscheidungsgründe:
11 Die Revision der Klägerin führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils
und zur Zurückverweisung der Sache an das Berufungsgericht.
I.
12 Das Berufungsgericht ist der Auffassung, dass der Klägerin gegen die
Beklagte kein Schadensersatzanspruch zustehe, weil die im Zuge der
Mängelbeseitigung angefallenen Kosten vollständig von der A. GmbH & Co. KG
übernommen worden seien.
13 Die Grundsätze der Drittschadensliquidation kämen nicht zur Anwendung, da
diese ein Auseinanderfallen von Anspruchsberechtigtem und Geschädigtem
voraussetzten. Nach den tatbestandlichen Feststellungen des angefochtenen
landgerichtlichen Urteils sei die Klägerin Auftraggeberin des Architekten N.
gewesen. Sollte dessen Leistung tatsächlich mangelhaft gewesen sein, wäre
der Schaden bei der Klägerin eingetreten. Die Klägerin weise zu Recht darauf
hin, dass bei einem Werkvertrag der vom Unternehmer schuldhaft verursachte
Mangel selbst der beim Auftraggeber eingetretene Schaden sei.
14 Sollte die Leistung des Architekten mit der Folge mangelhaft gewesen
sein, dass er für die am Hallenboden aufgetretenen Schäden verantwortlich
wäre, stünde der Klägerin zwar grundsätzlich der zur ordnungsgemäßen
Mängelbeseitigung erforderliche Betrag zu. Ein Schadensersatzanspruch der
Klägerin scheide aber aus, da die von der A. GmbH & Co. KG übernommenen
Leistungen im Wege der Vorteilsausgleichung zu berücksichtigen seien. Die
Grundsätze der Vorteilsausgleichung seien im Streitfall anwendbar. Der
Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs lasse sich nicht entnehmen, dass der
Vorteilsausgleich nur im Rahmen werkvertraglicher Leistungsketten anzuwenden
sei. Zwar sei der Grundsatz der Vorteilsausgleichung in mehreren
Entscheidungen des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 28. Juni 2007 - VII ZR
81/06, BGHZ 173, 83; Urteil vom 28. Juni 2007 - VII ZR 8/06, BauR 2007, 1567
= NZBau 2007, 580) für die werkvertragliche Leistungskette bejaht worden. Da
der Bundesgerichtshof den Vorteilsausgleich aber aus § 242 BGB herleite,
könne die Anwendung nicht auf derartige Fälle beschränkt werden.
15 Stehe fest, dass eine künftige Inanspruchnahme ausgeschlossen sei, müsse
die Klägerin diesen tatsächlich erzielten Vorteil an die Beklagte
weitergeben. Eine solche Situation sei hier gegeben. Die Parteien gingen
übereinstimmend davon aus, dass die A. GmbH & Co. KG bei der Durchführung
der Sanierungsmaßnahmen im Rahmen ihrer Pflichten gegenüber der Klägerin aus
dem Pachtvertrag gehandelt habe. Die Maßnahme sei in den
Zuständigkeitsbereich der A. GmbH & Co. KG gefallen.
16 Durch die - nach Behauptung der Klägerin - mangelhafte Leistung des
Architekten N. habe die Klägerin deshalb zwar einen Schaden in Form der
mangelhaften Werkleistung, nicht aber eine Vermögenseinbuße erlitten. Es sei
deshalb nach § 242 BGB nicht sachgerecht, dass die Klägerin die Beklagte auf
Schadensersatzanspruch in Anspruch nehmen könne.
II.
17 Das hält der rechtlichen Nachprüfung nicht in allen Punkten stand.
18 1. Auf das Architektenvertragsverhältnis ist unter Berücksichtigung der
für die Verjährung geltenden Überleitungsvorschriften in Art. 229 § 6 EGBGB
das Bürgerliche Gesetzbuch in der Fassung anzuwenden, die für bis zum 31.
Dezember 2001 geschlossene Verträge gilt, Art. 229 § 5 Satz 1 EGBGB. Zwar
hat das Berufungsgericht keine Feststellungen zum genauen Zeitpunkt des
Abschlusses des Architektenvertrags mit dem Architekten N. getroffen.
Daraus, dass es nach den Feststellungen des Berufungsgerichts bereits ab
Ende 2000 zu Schriftverkehr zwischen dem Architekten N. und der
Nebenintervenien-tin zu 1 der Beklagten kam, in dem Schäden an dem
Hallenfußboden im Bereich der Produktionslinien 4 und 5 thematisiert wurden,
geht indes hervor, dass der Architektenvertrag vor dem 31. Dezember 2001
zustande gekommen ist.
19 2. Für die Revisionsinstanz ist mangels gegenteiliger Feststellungen des
Berufungsgerichts davon auszugehen, dass es sich bei den ersetzt verlangten
Sanierungskosten um Folgeschäden von - von dem Architekten N. schuldhaft
verursachten - Mängeln des Architektenwerks handelt.
20 3. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts (Berufungsurteil, Seite
4 und 8 f. i.V.m. dem Urteil des Landgerichts vom 4. April 2014, Seite 3)
wurde und wird § 5 des Pachtvertrags vom 5. September 1991 von der Klägerin
und der A. GmbH & Co. KG übereinstimmend so verstanden, dass
sämtliche Arbeiten an der verpachteten Halle in den Verantwortungsbereich
der A. GmbH & Co. KG fallen und von dieser auch bezahlt werden müssen.
Revisionsrechtlich beachtliche Rechtsfehler sind insoweit weder von den
Parteien geltend gemacht worden noch sonst ersichtlich.
21 4. Nicht zu beanstanden ist es im Ergebnis, dass das
Berufungsgericht einen eigenen Schaden der Klägerin bezüglich der
entstandenen Sanierungskosten verneint hat.
22 a) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann ein
Schadensersatzanspruch des Bestellers aufgrund einer normativen von Treu und
Glauben (§ 242 BGB) geprägten schadensrechtlichen Wertung zu verneinen sein,
wenn dem Besteller durch dessen Erfüllung ungerechtfertigte, ihn
bereichernde Vorteile zufließen würden (vgl.
BGH, Versäumnisurteil vom 1. August
2013 - VII ZR 75/11, BGHZ 198, 150 Rn. 22 m.w.N.).
23 b) Aufgrund einer entsprechenden normativen von Treu und Glauben
geprägten schadensrechtlichen Wertung ist im Streitfall ein eigener Schaden
der Klägerin, soweit es um die entstandenen Kosten der Sanierung des
Hallenfußbodens geht, zu verneinen, weil sich bei der Klägerin unter
Berücksichtigung der Vereinbarung in § 5 des Pachtvertrags vom 5. September
1991 hinsichtlich dieser Kosten von vornherein keine Vermögenseinbuße
verwirklicht hat.
24 Derartige Kosten sind gemäß der genannten Vertragsbestimmung von der A.
GmbH & Co. KG, nicht von der Klägerin zu tragen. Diese Bestimmung wurde und
wird, wie bereits erörtert, von der Klägerin und der A. GmbH & Co. KG
übereinstimmend so verstanden, dass sämtliche Arbeiten an der verpachteten
Halle in den Verantwortungsbereich der A. GmbH & Co. KG fallen und von
dieser auch bezahlt werden müssen. Dementsprechend wurden sämtliche mit der
Sanierung zusammenhängenden Arbeiten von der A. GmbH & Co. KG in Auftrag
gegeben; die als Beleg für die Sanierungskosten vorgelegten Rechnungen
wurden von dieser, nicht von der Klägerin beglichen. Bei dieser Lage würden
der Klägerin ungerechtfertigte, sie bereichernde Vorteile zufließen, wenn
sie Ersatz eines eigenen Schadens in Form der genannten Sanierungskosten
erhalten könnte.
25 An der vorstehenden normativen von Treu und Glauben geprägten
schadensrechtlichen Wertung ändert im Streitfall die Erwägung nichts, dass
dem Ersatzpflichtigen solche Vorteile grundsätzlich nicht zugute kommen
sollen, die sich der Ersatzberechtigte durch Abschluss eines - den
Ersatzpflichtigen nichts angehenden - Vertrags mit einem Dritten erarbeitet
hat (vgl. BGH, Urteil vom 15. November 1967 - VIII ZR 150/65, BGHZ 49, 56,
62, juris Rn. 15; Urteil vom 25. April 1996 - VII ZR 157/94, BauR 1996, 735,
736 f., juris Rn. 18; Beschluss vom 1. Juni 2010 - VI ZR 346/08, NJW-RR
2010, 1683 Rn. 17). Im Streitfall geht es nicht um eine
nachträgliche Beseitigung oder -verminderung eines bereits eingetretenen
Schadens aufgrund eines derartigen vom Ersatzberechtigten geschlossenen
Vertrags. Vielmehr hat sich bei der Klägerin unter Berücksichtigung der
bereits zum Zeitpunkt des schädigenden Ereignisses bestehenden Vereinbarung
in § 5 des Pachtvertrags vom 5. September 1991 hinsichtlich der
Sanierungskosten von vornherein keine Vermögenseinbuße verwirklicht.
26 5. Mit der vom Berufungsgericht gegebenen Begründung kann indes
ein Schadensersatzanspruch der Klägerin hinsichtlich der entstandenen
Sanierungskosten nach den Grundsätzen der Drittschadensliquidation nicht
verneint werden.
27 a) Aufgrund einer Vertragspflichtverletzung kann der
Vertragspartner den daraus entstehenden Schaden grundsätzlich nur insoweit
geltend machen, als er bei ihm selbst eingetreten ist (vgl. BGH,
Urteil vom 4. Dezember 1997 - IX ZR 41/97, NJW 1998, 1864, 1865, juris Rn.
6). In besonders gelagerten Fällen lässt die Rechtsprechung
allerdings eine Drittschadensliquidation zu, bei der der Vertragspartner den
Schaden geltend machen kann, der bei dem Dritten eingetreten ist, der selbst
keinen Anspruch gegen den Schädiger hat. Für die Zulassung einer
Drittschadensliquidation ist der Gesichtspunkt maßgebend, dass der Schädiger
keinen Vorteil daraus ziehen soll, wenn ein Schaden, der eigentlich bei dem
Vertragspartner eintreten müsste, zufällig aufgrund eines zu dem Dritten
bestehenden Rechtsverhältnisses auf diesen verlagert ist (vgl. BGH,
Urteil vom 11. Februar 1983 - V ZR 300/81, WM 1983, 416, 417, juris Rn. 17
m.w.N.). Die Anwendung der Grundsätze der Drittschadensliquidation
scheidet aus, wenn die Drittschadensliquidation zu einer dem
allgemeinen Vertragsrecht widersprechenden Schadenshäufung
führen würde (vgl. BGH, Urteil vom 27. Juni 1985 - VII ZR 23/84, BGHZ 95,
128, 136 f., juris Rn. 29; Urteil vom 12. Juli 1968 - V ZR 14/67, DB 1968,
2168 f., juris Rn. 17 f.; Urteil vom 10. Juli 1963 - VIII ZR 204/61, BGHZ
40, 91, 107, juris Rn. 31).
28 b) Nach diesen Maßstäben kommt im Streitfall ein Schadensersatzanspruch
der Klägerin gegen die Beklagte hinsichtlich der entstandenen
Sanierungskosten nach den Grundsätzen der Drittschadensliquidation in
Betracht. Der betreffende Schaden ist unter Berücksichtigung der
Vereinbarung in § 5 des Pachtvertrags vom 5. September 1991 nicht bei der
als Auftraggeberin des Architektenvertrags ersatzberechtigten Klägerin,
sondern bei der A. GmbH & Co. KG eingetreten, die selbst keinen
eigenen vertraglichen oder gesetzlichen Anspruch auf Ersatz der entstandenen
Sanierungskosten hat. Dabei handelt es sich um eine bloße - zufällige -
Verlagerung des Schadens.
29 Eine die Zulässigkeit der Drittschadensliquidation hindernde
Schadenshäufung kann im Streitfall entgegen der Auffassung des
Berufungsgerichts nicht mit der Erwägung angenommen werden, dass bei der
Klägerin ein Schaden in Form der von dem Architekten N. schuldhaft
verursachten Mängel des Architektenwerks eingetreten sei. Denn um den Ersatz
eines solchen Schadens geht es bei dem Schadensersatzbegehren der Klägerin
nicht. Dieses bezieht sich nur auf die entstandenen Sanierungskosten,
bei denen es sich um Folgeschäden der von dem Architekten N.
schuldhaft verursachten Mängel des Architektenwerks handelt und aus denen
eine Vermögenseinbuße lediglich bei der A. GmbH & Co. KG resultiert.
30 6. Das angefochtene Urteil kann danach nicht bestehen bleiben. Es ist
aufzuheben. Der Senat kann mangels hinreichender Feststellungen nicht in der
Sache selbst entscheiden. Die Sache ist deshalb an das Berufungsgericht
zurückzuverweisen.
III.
31 Für das weitere Verfahren weist der Senat auf Folgendes hin:
32 Bei einer Drittschadensliquidation, bei der der
nach dem Vertrag Ersatzberechtigte Leistung an sich verlangt, ist es dessen
Sache, die grundsätzlich den Schädiger nichts angeht, die Ersatzleistung an
den geschädigten Dritten weiterzuleiten (vgl. BGH, Urteil vom 4.
Dezember 1997 - IX ZR 41/97, NJW 1998, 1864, 1865, juris Rn. 7). Nur
wenn feststeht, dass der geschädigte Dritte tatsächlich nichts davon
erhalten würde, ist es gerechtfertigt, den Anspruch zu versagen. Das
Vorliegen eines solchen Ausnahmefalls ist vom Schädiger zu beweisen
(vgl. BGH, Urteil vom 4. Dezember 1997 - IX ZR 41/97, aaO).
33 Das Berufungsgericht wird gegebenenfalls Feststellungen zu den
Voraussetzungen eines Schadensersatzanspruchs, gerichtet auf Ersatz der
entstandenen Kosten für die Sanierung des Hallenfußbodens als Folge der
behaupteten Mängel des Architektenwerks des Architekten N., zu treffen
haben. Im Hinblick darauf, dass das Berufungsgericht keine Feststellungen zu
einer Abnahme des Architektenwerks des Architekten N. seitens der Klägerin
getroffen hat, weist der Senat darauf hin, dass der Besteller Schadensersatz
nach § 635 BGB a.F. für Mängel der Architektenleistungen nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs schon vor der Abnahme und ohne eine
vorherige Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung (§ 634 Abs. 1 Satz 1 BGB
a.F.) verlangen kann, wenn jene Mängel sich im Bauwerk realisiert haben und
damit eine Nachbesserung nicht mehr in Betracht kommt. Solche Ansprüche
bestehen neben etwaigen, dem allgemeinen Leistungsstörungsrecht
zuzuordnenden Ansprüchen aus § 326 BGB a.F. (vgl. BGH, Urteil vom 8. Juli
2010 - VII ZR 171/08, BauR 2010, 1778 Rn. 11 m.w.N. = NZBau 2010, 768).
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